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Der Wahnsinn im Privaten

Ein Klavier, ein Klavier...

...aber nicht von der Tante aus Massachusetts, sondern aus dem Stuttgarter Verschenkmarkt..
Letzte Woche war ein Artikel in der Stuttgarter Zeitung, in dem dieser Verschenkmarkt vorgestellt wurde. Aufhänger der Story war ein zu verschenkendes Klavier, welches wohl nur wenige Stunden online war und dann "verschenkt" wurde. Was??? Da verschenkte jemand ein Klavier, ohne mir Bescheid zu geben?
Schon seit 2 Jahren red ich davon, daß ich so gerne wieder ein Klavier hätte, am liebesten alt und schwarz und zwei messingfarbenen Kerzenständern links und rechts. Hab ja mal 5 Jahre lang Unterricht gehabt, und die erlernten Stücke würde ich gerne wieder reaktivieren. Zudem findet Fine das Geklimper be den Großeltern af dem E-Piano auch super und musikalische Früherziehung kann nie früh genug sein!
So, zurück zum Verschenkmarkt. Ich die Anzeigen durchforstet, das Klavier gefunden, angerufen, aber war leider schon versprochen (inkl. Warteliste von 5 Personen). Da hab ich kurzerhand eine Suchanzeige aufgegeben und schwupp-di-wupp hab ich nun sogar zwei Klaviere zur Auswahl. Ein schwarzes, jedoch sehr kantiges oder ein dunkelbraunes in Wurzelholzoptik mit verschnörkelten Beinen. Ich denke, schwarz hin oder her, es wird das dunkelbraune werden. Der Transport innerhalb Stuttgarts kostet 120 Euro - na, günstiger komme ich zu keinem Klavier mehr! *Freu*
Und wieder hab ich ein Stück im Haus stehen, auf das ich mich jahrelang gefreut hab. Das finde ich viel besser, als etwas haben zu wollen, losmaschieren und kaufen. Das Warten auf ein besonderes Stück hat auch was. So war es mit meiner Standuhr, meiner Antinea und meiner Weichholzvitrine für die Küche.
Ich freu mich!
16.8.05 13:26




Ein Gehen und Kommen

Nachdem der heutige Tag so traurig war und wir gemeinsam Kerstin auf ihrem letzten Weg begleitet haben, hat er noch einen strahlenden Lichtblick bekommen: eine andere Freundin hat in München ihre kleine Tochter namens Lilli entbunden und der stolze Papa hat mir eine vor Glück strotzende e-mail geschrieben, die ich am Abend gelesen hatte. So ist es auf dieser Welt – ein Kommen und Gehen, Leben verabschiedet sich und Leben beginnt. Ich bin froh, dass Lilli sich diesen Tag als Geburtstag herausgesucht hat. Herzlichen Glückwunsch zu dieser kleinen Tochter! Fine freut sich jedenfalls mächtig über die erste weibliche Verstärkung im Freundeskreis.

Die Beerdigung…ich habe mich zusammen mit Moni von Kerstin verabschiedet, aber es war nicht Kerstin, die da lag. Das Gesicht sah so unwirklich aus, so maskenhaft. Ihre Hände waren wunderschön und ich habe sie lange angeschaut. Die Trauerfeier hat Reginas Mann gemacht und ich habe versucht, mir sehr viel aus der Rede zu merken. Einmal hab ich ganz heftig den Kopf geschüttelt und „Mmmhh!“ gesagt – nämlich als er meinte, dass Gott sie nun in seiner Herrlichkeit empfangen würde. Zwei Sätze später sagte auch er, dass er schon wüsste, dass Kerstin das anders gesehen hätte. Kerstin sitzt für Moni und mich auf einer weißen Wattewolke mit leicht angestaubten Engelsflügeln, die zudem noch ein wenig verwurschtelt sind. Auf dieser Wolke bzw. gleich neben dran ist die Schweinewiese, auf der sich all ihre toten Meerschweinchen tummeln. Und dort oben sitzt sie und amüsiert sich über uns und unser Tun!
Bella, ich vermisse Dich!!!

Die Trauerfeier war untermalt mit 3 Lieder, die ich davor nicht kannte. Es waren 2 Titel aus dem Shrek – Soundtrack. „You belong to me“ von Jason Wade und „Hallelujah“ von Rufus Wainwright.
Das dritte Lied war beim Auszug „Übers Meer“ von Rio Reiser.
Tja, und dann hab ich mir überlegt, welche Lieder dann mal an meiner Beerdigung gespielt werden sollen…

12.8.05 23:11


Ohne Worte

Der Tod hat keine Bedeutung
- ich bin nur nach nebenan gegangen.
Ich bleibe wer ich bin. Und auch ihr bleibt dieselben.
Was wir einander bedeuten, bleibt bestehen.
Nennt mich mit einem vertrauten Namen,
sprecht in der gewohnten Weise mit mir
und ändert euren Tonfall nicht!
Hüllt euch nicht in Mäntel aus Schweigen und Kummer-
Lacht wie immer über die kleinen Scherze, die wir teilten.
Wenn ihr von mir sprecht,
so tut es ohne Reue und ohne jegliche Traurigkeit.
Leben bedeutet immer Leben
- es bleibt bestehen- immer- ohne Unterbrechung.
Ihr seht mich nicht, aber in Gedanken bin ich bei euch.
Ich warte eine Zeitlang auf euch-
Irgendwo, ganz in der Nähe- Nur ein paar Straßen weiter.
(Henry Scott Holland, 1847 - 1918)
12.8.05 09:39


Eigentlich unfassbar...

Meine Gedanken schieben sich immer wieder in Richtung Freitag. Freitag wird Kerstin beerdigt... Ich will heute noch die Karte für ihren Mann schreiben und kann mich noch nicht für einen Spruch entscheiden.
Kerstin war seit 11 Jahren eine gute Freundin von mir. Wir haben uns an der (damals noch genannten) FHB gesucht und gefunden. Das "kreaktive" Team zweier engagierter und vor Ideen sprühender Jungbibliothekarinnen, die die Bibliothekswelt verbessern wollten. Wir haben zusammen die S-Bahn-Fahrten genossen, am Morgen unseren Kakao und Käsebrötchenvorrat aufgefüllt, gemeinsam Bewerbungen geschrieben, uns Stellen geschenkt die wir nicht wollten (von wegen "Freiburg kannste haben, schenk ich Dir!", gemeinsam das Jahr 1999 zu Ende gebracht, zum Abhotten ins Zap gerannt, unsere Männer kennengelernt, zusammen gearbeitet, geheiratet, ... Kerstin war immer da, auch wenn der Kontakt sich manchmal wochenlang nur auf emails beschränkte.

"Nase in den Wind" war ihr Spruch, wenn sie mich aufbauen wollte... und genau das werde ich am Freitag wohl tun müssen...

Kerstin ist am 5. August 2005, einem Freitag morgen 3 Wochen nach ihrem 35. Geburtstag an einer Lungenembolie gestorben. Einfach so neben ihrem Mann im Bett, ohne Krankengeschichte und ohne Risikofaktoren für eine solche Geschichte. Einfach tot...

"Es fragt uns keiner, ob es uns gefällt,
ob wir das Leben lieben oder hassen.
Wir kommen ungefragt auf diese Welt
und müssen sie auch ungefragt verlassen."
(Gretchen Grosser)


10.8.05 13:15





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